PCK-Sport

 

Fachdidaktische Kompetenzen von Sportlehrpersonen (PCK-Sport)

Die länderübergreifenden Querschnittsstudien TIMS und PISA haben gezeigt, dass die schulischen Leistungen von Schülern enorm divergieren und häufig eher schwach ausfallen. Da diese Daten nicht für den Sportunterricht erhoben worden sind, lässt sich nur vermuten, dass die Bildungssysteme auch für den Sport zu wenig nachweisbare Effekte zeigen (Lampert, 2007; Lamprecht, Fischer & Stamm, 2008; Klein, 2009). Die Ausbildungsinstitutionen sind die wichtigste und vielleicht auch einzige Interventionsmöglichkeit, die Wirksamkeit des Sportunterrichts über die Professionalität der Sportlehrpersonen zu steuern. Eine der wichtigsten Steuerungsgrössen bildet dabei das Professionswissen allgemein und das fachdidaktische Wissen im Speziellen.

Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, fachdidaktisches Wissen von angehenden Sportlehrpersonen zu erfassen und über die Ausbildungszeit und die Berufseinführung zu vergleichen. Wir interessieren uns für die Dimensionen fachdidaktischen Wissens, die für die Novizen bedeutsam und für ihre Berufspraxis relevant sind. Zusätzlich möchten wir die Veränderungen des PCK über die Ausbildung hinweg analysieren. Insgesamt lassen sich dadurch Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Sportlehrerausbildung machen.

Die Studie PCK-Sport untersucht das fachdidaktische Können von angehenden Sportlehrpersonen während der Ausbildungszeit, um dadurch Erkenntnisse für die Wirksamkeit der Sportlehrerausbildung zu machen. In einem ersten Schritt wurde ein Kompetenzmodell für das pedagocial content knowledge (PCK) entwickelt. Die in Anlehnung an das didaktische Modell von Scherler (2004) erfassten Kompetenzen für das fachdidaktische Können, konnten durch eine Delphi-Befragung weiter entwickelt und ausdifferenziert werden. Um die Performanz der Kompetenzen für die Berufspraxis sicher zu stellen, wurden die einzelnen Faktoren durch Text-Vignetten ergänzt. Diese Textbausteine zeigen critical incidences aus realen Unterrichtssituationen auf und sind nach dem Prinzip der maximalen Kontrastierung dem eigenen Fallarchiv (sportdidaktik.ch) entnommen. Das Modell und die entwickelten Testinstrumente konnten in einem nächsten Schritt im Rahmen einer Vergleichsstudie genutzt werden, um Entwicklungen der verschiedenen Dimensionen des fachdidaktischen Könnens während der Ausbildung zu untersuchen, sowie Erkenntnisse über die Unterschiede des fachdidaktischen Könnens in verschiedenen Phasen der Ausbildung, bei verschiedenen Zielstufen und Ausbildungsgängen (Sek I und Sek II) zu gewinnen. In der Dimension „mit SchülerInnen interagieren“ zeigen sich insbesondere für die Untersuchungsgruppe der Studienbeginner mit der Zielstufe Sek I signifikante Unterschiede zu den anderen untersuchten Gruppen (Sek II Abschliessende, erfahrene Berufspersonen) Dieser zu erwartende Effekt der Ausbildung kontrastiert mit dem Ergebnis bei der Gruppe Sek II Beginner. Diese Studierenden weisen im Durchschnitt der Rangwerte eine höhere fachdidaktische Kompetenz (PCK) auf, als die Gruppe der erfahrenen Berufspersonen. Dieses Resultat weist auf widersprüchliche Effekte in der Berufseinführung hin. Auf Ebene der Faktoren konnte die Untersuchung eine überzufällige Verbesserung der fachdidaktischen Kompetenzen von Studienbeginnern der Zielstufe Sek I zu den Studienabschliessenden derselben Stufe, aber auch im Vergleich zu anderen Untersuchungsgruppen aufzeigen. Auf der Zielstufe Sek II ist dieser Effekt nicht nachweisbar. Das unterschiedliche Bild lässt sich wahrscheinlich auf den unterschiedlichen Aufbau der Studiengänge Sek I (integriert) und Sek II (konsekutiv) und die deutlich längere Ausbildungszeit zurückführen. Die Unterschiede zeigen sich insbesondere bei den Faktoren „Zeit und Personen organisieren“, „Körperlichkeit beachten“, „auf Unterschiede achten“. Letzterer weist auf die didaktische Kompetenz des Differenzierens hin. Die in der Untersuchung festgestellten signifikanten Unterschiede des PCKs zwischen den einzelnen Untersuchungsgruppen, weisen demnach auf nicht erwartete Defizite in der Ausbildungspraxis, aber auch auf strukturelle Differenzen hin. Die empirischen Resultate der Faktorenanalyse weisen darauf hin, dass sich in zahlreichen von den Experten als wichtig bezeichneten fachdidaktischen Kompetenzen keine Performanz der Ausbildung nachweisen lässt. Hier weist die Untersuchung auf Defizite der Ausbildungspraxis hin, aber auch auf überhöhte normative Erwartungen an diese Ausbildung.

Publikationen:

Messmer, R. & Brea, N. (2015). Fachdidaktisches Wissen und Können von Sportlehrpersonen. In U. Riegel, S. Sigrid & K. Macha (Eds.), Kompetensmodellierung und Kompetenmessung in den Fachdidaktiken (pp. 79-93). Münster: Waxmann.

Roland Messmer
Sara Monika Seiler
Jolanda Vogler
David Allemann